Archiv für die Kategorie „web2.0“

Lange Zeit dominierte die Sorge über die Anbahnung ungewollter sexueller Kontakte die Diskussion rund um soziale Netzwerke wie schuelervz, studivz, myspace oder facebook.

Nun tritt immer mehr der Aspekt der unreflektierten Veröffentlichung persönlicher Informationen in den Vordergrund: „Nackt im Netz“ übertitelt stern.de einen Artikel zum Thema und beschreibt damit den Daten-Striptease vieler User.

Was folgen kann ist der „Datenschutz-Kater“: in Bewerbungsgesprächen werden Bewerber konfrontiert mit ihren Bildern und Äußerungen in sozialen Netzwerken, aber auch Stilistik und Rechtschreibung können problematisch werden. Klaus Eck, Kommunikationsberater spricht von Online-Reputation und dem Internet als Karriere-Killer.

In einem weiteren Artikel nun gibt stern.de Tipps für den Selbst-Datenschutz und das Verhalten in Sozialen Netzwerken.

Alle guten Tipps lassen sich auf eine einfache Formel bringen: „Würdest du das, was du selbst in Netzwerken veröffentlichst auch auf eine Plakatwand auf dem Marktplatz schreiben?“ – denn das Internet ist Öffentlichkeit und es vergißt nie.

„Erziehung und Medien“ heißt mein Thema und da muss ich mir doch einfach mal etwas von der Seele schreiben, was mich doch aktuell sehr betroffen gemacht hat.

Gestern wurde unter dem Titel „Vorlesen im Kinderalltag 2008″ eine Studie der Deutschen Bahn, der ZEIT und der Stiftung Lesen vorgelegt. Repräsentativ wurden 875 Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren, also im Vor- und Grundschulalter zu ihren Vorleseerfahrungen befragt. Die Auswertung wurde in Beziehung gesetzt zur Vorjahresbefragung zum gleichen Thema, in 2007 waren aber die Eltern zu ihrem Vorleseverhalten befragt worden.

Für mich ist das erschütternste Ergebnis, das 37% aller Kinder sagen : „Uns wird nicht vorgelesen.“ Nicht vorgelesen im Elternhaus, aber auch nicht vorgelesen in Kindergarten und Schule.

Was sind die Hintergründe, dass Eltern nicht Vorlesen? Darüber gibt die Studie keine Auskunft. Da gibt es wohl die Eltern, deren eigene Lesekompetenz nur schwach ausgebildet ist und die sich daher nicht „blamieren“ wollen, stockend sich durch Astrid Lindgren zu arbeiten. Aber das Problem der Vorleseverweigerung ist schichtübergreifend und bildungsunabhängig. Auch die Eltern mit ausreichender Lesekompetenz behaupten eher, dass sie vorlesen, als dass sie es wirklich tun.

Noch erschreckender ist die Vorleseverweigerung in Kita und Schule. Was ist in diesen pädagogischen Institutionen los, dass primäre Medienkompetenz nicht vermittelt wird? Ist es Desinteresse oder Unfähigkeit?

„Na die wollen ja auch gar nichts vorgelesen bekommen“, höre ich Eltern, Kindergarten und Schule rufen. Dies trifft aber so überhaupt nicht zu. 33% der Kinder ohne Vorleseerfahrung wünschen sich ausdrücklich Vorlese-Stunden. Die anderen 2/3 äußern tatsächlich den Wunsch nicht, wobei für mich die Frage offen bleibt, ob sie überhaupt wissen, worauf sie da verzichten.

Warum eigentliche Vorlesen? Die Autoren stellen neben die Bedeutung als fundamentalen Bildungsimpuls für ein lebenslanges Lernen so wichtige Aspekte der Vorlese-Rituale wie

  • Stärkung der Sozialkompetenz der Kinder
  • Schaffung von Geborgenheit und Nähe in der Vorlese-Situation
  • wichtige Impulse für Familien, Kita-Gruppen und Klassen

Es fällt mir schwer zu glauben, dass es Kindergärten und Grundschulklassen in Deutschland gibt, in denen nicht vorgelesen wird – aber offensichtlich scheint es sie massenhaft zu geben.

Die Studie räumt mit einigen Vorlese-Vorurteilen auf wie

  • „Die Vorleselücke ist ein Unterschichten Problem“ – Quatsch, alle Schichten sind betroffen.
  • „Eltern halten sich für Vorleser“ – 18% der Eltern geben an, nicht vorzulesen, 37% der Kinder, dass nicht vorgelesen wird.
  • Eltern glauben, dass Kinder Vorlesen gar nicht so attraktiv finden – Quatsch, Kinder finden Vorlesen toll.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Kinder erleben kaum Väter, die Vorlesen, dies bleibt immer noch Domäne der Mütter. Die Studie setzt dies in Beziehung zu der Beeinträchtigung in der Lesesozialisation insbesondere bei Jungen. Ihnen fehlt schlicht und ergreifend das beobachtete Vorbild beim Vater. Nur 8% aller Kinder haben einen vorlesenden Vater erlebt.

Lesen und Schreiben bleiben auch in Zeiten elektronischer Medien Basics, auch für die spätere Nutzung der elektronisch vermittelten Medien. Und Vorlesen ist eine wunderbare Möglichkeit der Vermittlung von Bindung, von Nähe und Geborgenheit, wohl noch ein viel wichtigeres Basic für ein gelingendes Aufwachsen.

Michael Gisiger greift in seinem Blog Wortgefecht die Spaltung der Gesellschaft in sogenannte „Digital Natives“ und „Digital Immigrants“ auf. Gemeint ist die Kluft zwischen den vor 1970 und nach 1980 Geborenen hinsichtlich ihrer IT- und Computernutzung. Nach Moshe Rappoport von IBM Research „…werden erstere Zeit ihres Lebens digitale Immigranten bleiben.“ Der Beitrag ist sehr lesenswert und ich empfehle auch die Kommentare, die substanziell sind.

Have You Seen CNN Lately?

Der CNN-Comic verdeutlicht aber einen Aspekt des Themas, den ich entsprechend meines Blogthemas nocheinmal hervorheben will: diese digitale Spaltung führt nicht nur durch Unternehmen, Konsumentengruppen oder Landschaften, sie führt in aller Regel mitten durch Familien. Da gibt es die natives, die von kleinauf mit allen digitalen Errungenschaften unserer Kultur aufwachsen und vertraut sind. Und es gibt die immigrants, denen die meisten dieser Dinge immer ein wenig fremd und damit auch bedrohlich bleiben. So wie den einen der Umgang mit den heutigen Medien wie eine zweite Haut vertraut ist, so wird den anderen der Umgang immer auch eine Anstrengung sein. Wichtig scheint es, dass die immigrants, sprich die Eltern bereit bleiben oder werden, sich dieser Anstrengung zu stellen, um ihre Erziehungsaufgabe angemessen ausfüllen zu können.

handysektor.de weist auf eine Studie des „Fraunhofer Instituts für Sichere Informationstechnologie“ hin. Die Online-Communities Myspace, facebook, studiVZ, werkenntwen und lokalisten wurden daraufhin genauer angeschaut, wie dort der Schutz der Privatspähre jeweils geregelt ist. Neben diesen Privatplattformen wurden auch die beruflichen Plattformen XING und linkedln untersucht.

Ergebniss: In allen Plattformen wurden erhebliche Mängel des Privatsphärenschutzes gefunden. facebook schloss noch am besten ab, lokalisten bildet das Schlusslicht.

Die „Mängelliste“ ist lang und erheblich:

• zu umfangreiche Pflichtdaten bei der Anmeldung
• kein Unterstützen von Pseudonymen
• fehlendes oder unzureichendes Verschlüsseln des Kommunikationskanals zum PlattformServer
• konzeptionell nicht gewollter Schutz bestimmter privatsphärenrelevanter Daten
• Fehlen von Mechanismen, die den Zugriff auf Datenobjekte gemäß den vom Nutzer gesetzten Regeln erlauben oder verweigern (z.B. für die Suchfunktion oder Fotoverknüpfungen)
• Abruf vertraulicher Multimediadaten außerhalb der Plattform
• schwer auffindbare Abmeldefunktionen oder umständlicher Abmeldeprozess
• unvollständiges Löschen privater Daten nach dem Abmelden an der Plattform
• eigenwilliges Konzept für die Nutzerführung oder Inkonsistenzen bei den PrivatsphäreOptionen

Die Tabelle gibt einen Gesamtüberblick über die wichtigsten Eigenschaften der getesteten Plattformen (Quelle: Fraunhofer SIT):

Und es gibt sie doch: laut einem spiegelonline-Artikel schreiben geschätzte 30 bis 70 Lehrer in Deutschland Online-Tagebücher – eine verschwindend geringe Zahl, aber immerhin ein Anfang (wieviele bloggende Erziehungsberater es wohl gibt?).

Thomas Rau, Betreiber des „Lehrerzimmer„-Blogs, träumt laut spiegel davon, dass sich die vielen Einzelkämpfer-Lehrer online vernetzen und austauschen. „Lehrer sollten viel mehr zusammenarbeiten. Das Internet ist dafür eine tolle Möglichkeit“, so Rau. Aber der Artikel stellt zurecht auch fest, daß für viele Lehrer das Internet eher ein Angstmedium ist.

Heute erzeugt der spiegel-Artikel offensichtlich soviel Interesse, daß aktuell die Seite down ist.

Also liebe Lehrer: morgen noch einmal vorbeischauen und Anregungen holen!

Zum Thema „bloggende Schüler“ siehe hier.

Eine US-Umfrage unter Schülern zwischen 12 und 17 Jahren belegt, dass bloggende Teenager mehr schreiben, sowohl online wie auch offline. Auch bei der Wertschätzung des Schreibens als Erfolgsfaktor im weiteren Leben liegen die Blogger deutlich vor den Nichtbloggern.

Wieviele bloggende Teenager gibt es eigentlich in Deutschland? Gibt es Schulen, die aktiv das Bloggen von Schülern fördern? Hat der Philologenverband dazu eine Meinung?

Einige Beispiele bloggender Schüler lassen sich hier finden:

pralinenmonster, Tagebuch eines Schüler-Praktikums, Schulkritik

Sicherheitsregeln für bloggende Schüler gibts hier.

Mit der bloggenden Schule hat sich unter anderem auch die letzte re:publica  befasst.

Respekt vor der Fleissarbeit: Martin Weigert veröffentlicht im Blog zweinull.cc eine aktuelle Liste sozialer Netzwerke in Deutschland. Nach der ersten Veröffentlichung vor einem halben Jahr hat Weigert nun jeden Anbieter auf sein Fortbestehen hin überprüft. Erstaunliches Ergebnis: gerade mal 4 der damals gelisteten 153 Netzwerke existieren nicht mehr. Seine Interpretation des Ergebnisses: Die erwartete Konsolidierung im Social-Network-Markt hat noch nicht stattgefunden.

Weigert listet aber nicht nur die Netzwerke auf, sondern unterzieht sie auch noch einem Ranking. Jede Seite wurde dem Seitwert-Test unterzogen. Geprüft wurden u.a. Parameter wie: Gewichtung der Seite bei Google oder Yahoo, Zugriffszahlen, Häufigkeit der Bookmarks bei Mister Wong, del.iceo.us und Link-arena.

Die erwarteten Verdächtigen befinden sich auf den vorderen Plätzen: xing, studivz, schülervz.

Es tauchen aber auch eher unbekannte Netze wie z.B. uboot.com, dol2day oder Jappy unter den ersten 20 auf. Weigert erläutert, dass Seitwert insbesondere gute Suchmaschinensichtbarkeit und das Alter einer Webseite gewichtet.

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„Shift-Happens“ Wiki