Artikel-Schlagworte: „Erziehungskompetenz“

Am Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts 784 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren zu ihrem Computerspielverhalten und verschiedener persönlicher Merkmale befragt, die im Zusammenhang mit krankhafter Spielnutzung vermutet werden.

Diese Merkmale sind: Selbstwirksamkeitserwartung, Copingstrategien (wie mit Stress und Belastung umgegangen wird) und Qualität der Bindung zu den Eltern.

Die Befragung fand Online statt, beworben wurde sie in einschlägigen Foren im Internet. Daher stellen die Autoren auch zu recht fest, dass ihre Daten keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben können. Trotzdem geben die Ergebnisse nachvollziehbare Anhalte für die Frage pathologischer Computerspielnutzung.

Einige Ergebnisse der Befragung sind:

  • Häufiges und langes Computerspielen allein ist nicht als pathologisch aufzufassen.
  • Pathologisch wird es u.a. dann, wenn es zur Stimmungsregulation eingesetzt wird.
  • Pathologische Spieler erleben in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation ein höheres Maß an Überforderung und verfügen über schlechtere Strategien mit Stress umzugehen.
  • Unter den Intensivspielern gibt es weniger Personen, die einen sicheren Bindungsstil erlebt haben.

Für den pädagogischen Alltag geben die Autoren u.a. als Empfehlung:

  • Bei pathologischem Spielverhalten nicht sofort ein absolutes Spielverbot aussprechen, sondern behilflich sein, neue und bessere Copingstrategien aufzubauen. Die Frage angehen, wofür das Spielverhalten Ersatz ist.
  • Eltern sollten sich mehr für das Spielverhalten und die Spiele ihrer Kinder und Jugendlichen interessieren. Vom Kind „anlernen“ lassen, um mitreden zu können, dadurch Kinder wertschätzen und auf dieser Grundlage die Beziehung und Bindung zum Kind zu verbessern.

Ich bin Diplom-Pädagoge und arbeite als Erziehungsberater in einer kommunalen Beratungsstelle.

Meine Arbeitsschwerpunkte dort sind:

  • die Beratung von Jugendlichen und ihren Eltern
  • Onlineberatung per Email und Chat.

Ein immer wieder kehrendes Thema in dieser Beratungsarbeit sind Sorgen von Eltern rund um den Medienkonsum ihrer Kinder. Diese Sorgen entstehen in aller Regel dann, wenn die Schulleistungen aus Sicht der Eltern unter dem Medienkonsum leiden oder die Freizeit nur noch vor dem Fernseher oder Rechner stattfindet und Vereinsamung befürchtet wird.

In Bezug auf die Computernutzung sind die Sorgen der Eltern oft gepaart mit großer Unwissenheit darüber, was ihre Kinder da am Rechner so alles treiben. Das dort ein Ego-Shooter gespielt wird, ist den Eltern vielleicht noch klar, wo sich aber ihre Kindern in den Weiten und Möglichkeiten des Internets bewegen wird im besten Fall geahnt, ist in aller Regel aber völlig unbekannt.

Das Expertenwissen im technischen Handling der neuen Medien liegt auf Seiten der Kinder und Jugendlichen, vielen Eltern ist dieser Bereich jedoch sehr fern.

Ausdrücklich spreche ich von Expertenwissen im technischen Handling, denn im Bereich des sozialen Handlings sind nun wieder diese gleichen Kinder und Jugendlichen oft erschreckend unbedarft. Da werden Profile in icq mit Informationen befüllt, die im schlechtesten Fall zu unangenehmen Anfragen führen können. Da werden Fotos auf SchülerVZ veröffentlicht und mit Namen versehen, die für die Betreffenden durchaus peinlich sein können und auch rechtlich eigentlich unzulässig sind.

Folgerichtig hat die Landesmedienanstalt die Initiative „Eltern und Medien“ auf den Weg gebracht und das Grimme-Institut mit der Durchführung der Initiative beauftragt.

Hier werden Referenten qualifiziert, um zu den Themen „frühkindliche Mediennutzung“, „Internet und Handynutzung von Kindern und Jugendlichen“, sowie ab Sommer 2008 „Computer- und Konsolenspiele“ Elternabende an interessierten Schulen in NRW durchzuführen. Ich selber bin zum Thema „Internet und Handy“ für die Initiative als Referent tätig.

In meiner Beratungsarbeit, wie auch in meiner Vortragstätigkeit wird immer wieder ein wichtiger Wirkzusammenhang deutlich: Die Entwicklung von Medienkompetenz bei Kindern Jugendlichen vermittelt auch durch die Medienkompetenz der Eltern setzt voraus, dass diese Eltern willens und auch fähig sind, die entsprechenden Diskussionen und häufig erst einmal notwendigen Reglementierungen gegenüber ihren Kindern zu setzen. Elterliche Medienkompetenz ohne ausreichende Erziehungskompetenz ist bedeutungslos. Der Elternteil, der selber gerne chattet, sich in Communities bewegt und auch gerne mal ein Spielchen am Rechner macht, sich aber nicht in der Lage sieht, mit seinem Kind zu diesem Thema zu reden und ggfls. auch zu streiten, bleibt in seiner Kompetenzvermittlung wirkungslos.

Mit diesem Blog möchte ich den Gedanke des Zusammenhangs zwischen diesen beiden Kompetenzen weiterentwickeln.

Ich werde Informationen zusammentragen zu den Bereichen

  • Computernutzung von Kindern und Jugendlichen
  • Web2.0 Anwendungen, die von Kindern und Jugendlichen genutzt werden
  • Computer- und Konsolenspiele
  • Handynutzung von Kindern und Jugenlichen
  • Ansätze zur Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern unter dem Aspekt der neuen Medien,

werde diese Informationen kommentieren und freue mich auf eine intensive Diskussion mit dem Leser.

Das Medienkompetenznetzwerk NRW bietet am 22.04.08 eine Fachtagung zu der Fragestellung an

„Aufwachsen im Mediendschungel: Gerät die familiäre Medienerziehung an ihre Grenzen ?“

Referenten werden sein

Prof. Dr. Dorothee M. Meister: „Medienhandeln Heranwachsender im Spannungsfeld zwischen Elternhaus und Peer-Group“

Detlef Ruffert: „Offlinie Kids ? Medienkinder und Erziehung“

Prof. Dr. Franz Josef Röll: „Digitale Lebenswelten“

Christian Herrmann: „Neue Medien und frische Luft – Kreative Inputs für die familiäre Medienerziehung“

Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus NRW, die in der Medienbildung tätig sind.

Weitere Infos gibt es auf der mekonet-Seite.

Ich werde an der Veranstaltung teilnehmen und im Blog darüber informieren.