Artikel-Schlagworte: „Jugendschutzgesetz“

Seit dem 01. Juli 08 ist das „Erste Gesetz zur Änderung des Jugendschutzgesetztes“ in Kraft.

Laut Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vom 30.06.08 werden die Indizierungskriterien für die Bundesprüfstelle in Bezug auf mediale Gewaltdarstellungen erweitert und präzisiert, sowie die Sichtbarkeit der Alterskennzeichen von FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) und USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) verbessert.

Die Verbesserung der Sichtbarkeit der Alterskennzeichen scheint in der Diskussion unstrittig zu sein. Wichtig ist der Hinweis, dass die Alterskennzeichnung der USK nicht einer Spielempfehlung gleichkommt, sondern eher im Sinne einer Negativbeschreibung die Altersuntergrenze darstellt, nach der ein Spiel einem Kind oder Jugendlichen zumutbar ist. Unberücksichtigt muss dabei der individuelle Entwicklungsstand des einzelnen Kindes oder Jugendlichen bleiben. Ein Spiel, freigegeben für Jugendliche ab 12 Jahre kann evtl. für manchen 14-jährigen doch nicht zuträglich sein. Gefragt bleibt immer noch die persönliche Kenntnis der Eltern über ihre Kinder.

Viel kontroverser stellt sich die Diskussion um die Verschärfung der Indizierungskriterien dar.

Zur Erläuterung:
Die USK befindet sich seit dem 01.06.08 in Trägerschaft der Industrieverbände „Bundesverband interaktive Unterhaltungssoftware e.V.“ und „Bundesverband der Entwickler von Computerspielen G.A.M.E. e.V.“ (siehe hier). Diese Konstruktion ist ausdrücklich auch von Bund und Ländern so gewollt. Vor Markteinführung werden der USK Spiele zur Alterskennzeichnung vorgelegt.
Die Bundesprüfstelle ist eine selbständige Bundesbehörde und dem BMFSFJ nachgeordnet. Sie nimmt den gesetzlichen Jugendmedienschutz war und kann durch Indizierung Beschränkungen für die Abgabe und Bewerbung u.a. von Spielen aussprechen.
Die Kooperation zwischen USK und Bundesprüfstelle ist nicht immer reibungslos.

Der Deutsche Familienverband hat hierzu eine interessante Stellungnahme veröffentlicht.

Die Befürchtung, dass der Kauf von indizierten Spielen zukünftig ins Ausland verlegt wird, scheint nicht unbegründet. Die Zeitschrift Gamestar hat bei einer Umfrage die Frage gestellt: „Wie gehen Sie mit dem neuen Jugendschutzgesetz um?“ Von den 5956 Teilnehmern gaben 60 % an, gewünschte, aber indizierte Spiele eben aus dem Ausland importieren zu wollen.

heise news vom 11.04.2008: Kontrovers wurde während der 1. Lesung des Regierungsentwurfs für eine erste Änderung des Jugendschutzgesetzes das geplante Verbot „gewaltbeherrschter“ Computerspiele im Bundestag diskutiert. Einziger Konsens unter den Parteien scheint die Einsicht zu sein, „flächendeckend“ sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Eltern und Pädagogen die Medienkompetenz zu stärken.

Wer die Diskussion der letzten 10 Jahre zum Thema gewalthaltiger Computerspiele und ihrer Wirkung auf Kinder und Jugendliche noch einmal gesammelt nachvollziehen will, dem sei dieser Hintergrund der Computerzeitschrift c’t empfohlen.