Artikel-Schlagworte: „Killerspiele“

Die Landesanstalt für Medien NRW hat die World Cyber Games in Köln als Zeitpunkt gewählt, eine neue Broschüre zum Thema Computerspiele zu veröffentlichen. Wissenswertes für Kinder, Jugendliche und insbesondere für Erwachsene ist dort zusammengetragen.

Die Broschüre möchte keine einfache Antworten zum Thema Computerspiele geben, da das Thema sehr komplex ist. Vielmehr will sie einen Einstieg bieten und führt den Leser anhand von 10 exemplarischen Fragen in die Thematik ein.

Aspekte sind unter anderem:

  • Welche Altersangaben sind auf Spielen gültig?
  • Ist Werbung in Computerspielen problematisch?
  • Was meint ein Spieler mit Quest und Gilde?
  • Ist mein Kind onlinesüchtig?
  • Machen Computerspiele wirklich aggressiv?
  • Wie kann ich den Umgang mit Computerspielen verantwortungsvoll regeln?

Die Broschüre enthält viele weiterführende Links und Adressen und ist sehr ansprechend aufgemacht. Sie kann per download bezogen werden, oder direkt bei der Landesanstalt kostenfrei bestellt werden.

Die Broschüre trägt die Bezeichnung „Ausgabe 1″. Dies weckt die Hoffnung auf weitere Themenbearbeitungen in so aktueller Form.

via handysektor

Nach der Auftaktveranstaltung in Köln wird die Eltern-LAN-Reihe nun am 31.10.08 ab 15.30 Uhr in Berlin fortgesetzt. Alle Interessierten sind in den Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8 eingeladen. Wer als Eltern, Lehrer oder Mitarbeiter in der außerschulischen Jugendarbeit teilnehmen will, kann sich bei der Bundeszentrale für politische Bildung (hier) anmelden.

Weitere Informationen finden sich bei der Bundeszentrale, turtle-entertainment und auf pc-welt.

Alle Interessierten aus NRW dürfen sich noch auf den 28.11.08 freuen, wenn Eltern-LAN nach Bochum kommt.

Die Veranstaltung findet immer im Vorprogramm der Intel Friday Night Game statt, einem Spieltag der Bundesliga des eSports. Weitere Infos hier.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in  Zusammenarbeit mit Turtle Entertainment, spielbar.de und Spielraum am 10.10.08 im Tanzbrunnen Köln ein Eltern-LAN an.

Ziel der Initiative ist es, Eltern und pädagogisch Tätigen einen Einblick in das Computerspielen zu geben, dem bevorzugten Hobby ihrer Kinder und Schüler.

Es gibt eine medienpädagogische Einführung, danach wird gezockt: Neben Tetrinet steht Warcraft3 und auch Counterstrike 1.6 auf dem Programm.

Infos unter bpb und auch auf gamepro.de.

Zeit-online berichtet unter dem Titel „Traurig und abscheulich“ über die Reaktionen in Finnland auf das Attentat von Kauhajoki. Beeindruckend und sehr lesenswert ist der Kommentar von „lead 341″ zu diesem Artikel, den ich hier ungekürzt wiedergeben möchte:

„Beim Lesen dieser traurigen Nachricht, insbesondere aber der darauf folgenden Kommentare von finnischen Psychologen, Politikern und anderer Mitmenschen erleidet der an deutsche Medien gewöhnte Leser ein gewisses Maß an Verwirrung: Da ist von Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit die Rede, Gewalt als ultima ratio verzweifelter Jugendlicher, von Ausgrenzung, Vereinsamung und Depressionen und schließlich von fehlender Sensibilität seitens der Eltern und Verwandten. Moment mal: was sind das für fadenscheinige Erklärungsversuche? Haben wir nicht alle gelernt, dass die Computerspiele monokausal für derartiges Verhalten verantwortlich sind? Hat etwa die finnische Kälte die kognitiven Fähigkeiten der Finnen benebelt, dergestalt, dass sie anstatt plausiblen, einfachen Erklärungsversuchen anzuhängen auf komplexe, multikausale und wenig medienwirksame rekurrieren? Und wohin soll das ganze führen? Das könnte ja fast darin resultieren, dass es – Gottes Wege sind unergründlich – die Finnen tatsächlich eines Tages schaffen, durch eine (völlig unverständliche) gute Bildungs- und Arbeitspolitik, durch komplexe Ursachenanalyse etc. diese traurigen Ereignisse zu eliminieren oder zumindest zu minimieren.“

N24 setzt sich mit dem Begriff „Amoklauf“ kurz und prägnant auseinander (hier).

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden noch Probanden für eine neue Studie zur Frage der Auswirkung medialer Gewaltdarstellungen auf emotionale Verarbeitungsprozesse des Gehirns gesucht (Ankündigung siehe hier).

In einem Gespräch mit dpa (siehe heise.news hier) hat sich der Projektleiter und Psychiater Bert te Wildt zum Thema Computerspiele geäußert. Die Forschungslage spricht dafür, dass brutale Computerspiele die Persönlichkeitsentwicklung von Heranwachsenden nachhaltig beeinflussen können. Gleichzeitig warnt er aber davor, eine direkte Verbindung vom Computerspiel zum Amoklauf zu ziehen. Zu solchen extremen Fehlentwicklungen müssen noch anderen Faktoren psychischer Erkrankung hinzukommen wie z.B. Depressivität.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, reagiert auf die Forderung des Bayerischen Innenministers Joachim Hermann nach einem Verbot von gewalthaltigen Computerspielen. Dieser hatte anlässlich des bayrischen Wahlkampfs eines „Expertengesprächs“ am letzten Montag zusammen mit Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Fortschungsinstituts Niedersachsen, die Diskussion um ein Verbot wieder eröffnet.

Mittlerweile ist innerhalb der Union ein Konflikt um ein Verbot von „Killerspielen“ entstanden (siehe hier).

Zu recht fordert Olaf Zimmermann vom Kulturrat auf, die Energie besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu stecken, sowie in die Auszeichnung guter Computerspiele.

Mit dem geplanten Deutschen Computerspielpreis will die Bundesregierung stärker auf gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele aufmerksam machen.

Pikanter Weise bemüht sich dem Vernehmen nach die Bayerische Staatsregierung darum, dass der Preis in München verliehen wird.

Mit einer Pressemitteilung weist der Informationsdienst Wissenschaft auf eine neue Studie der Eberhard Karls Universität Tübingen hin. Wissenschaftlich vorsichtig wird dort formuliert, „dass der Missbrauch von gewaltverherrlichenden Medien in Kinderjahren zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren führen kann….Die Bereitschaft zur Gewalt stieg über die Jahre mit zunehmenden Konsum von medialer Gewalt. Die größte Gefahr liegt nach der Studie in der Nutzung von Computerspielen.“ Pädagogische Maßnahmen alleine würden nicht genügen, deshalb sei ein Verbot von extrem gewalthaltigen Video- und Computerspielen einzufordern.

Die Zusammenfassung der Veröffentlichung im „Journal of Media Psychology“ finden Sie hier .

Pressetext.deutschland titelt nach einem Gespräch mit Prof. Huber, einem der Autoren der Studie, ganz anders: „Generelle Verteufelung von Killerspielen falsch“.

Ein Ergebnis der rund 2 jährigen Studie sei eindeutig gewesen: „Wer viele gewalttätige Computerspiele spielte, wurde auch im realen Leben aggressiver.“ Daneben gehört aber auch eine weitere Aussage von Huber: „Wer in einem Elternhaus aufwächst, in dem Gewalt an der Tagesordnung ist, ist für Gewalt in Medien anfälliger.“ Die einfache Formel „Computerspiele machen aggressiv“ läßt sich also auch aus dieser Studie nicht ableiten.

Neben der schulischen Situation, der individuellen Persönlichkeit und dem Verhältnis zu Gleichaltrigen nehme vor allem die familiäre Situation eine Schlüssselrolle bei der Entwicklung der Jugendlichen ein.

Wichtig die abschließende Forderung von Huber, dass die Eltern wissen sollten, was auf dem Fernseher ihrer Kinder läuft und was sie stundenlang spielen.

Der Stern hat die Verschärfung des Jugendschutzgesetzes zum 01.07.08 mit einem sehenswerten Video aufgegriffen, in dem Computerspieler sowie Experten sich zu der umstrittenen These äußern, dass bestimmte Computerspiele gewalttätig machen.

In den Leserkommentaren herscht eine eindeutige Tendenz vor: aktive und ehemalige Shooter-Spieler verwahren sich gegen den Vorwurf, potenzielle Amokläufer und Killer zu sein.

Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch ein Interview auf der Internetseite der sueddeutschen Zeitung mit der Profi-Computerspielerin Jacky Lange „Ich schieße doch nicht auf Menschen“. Zitat aus diesem Interview: „Ich hatte schon einmal eine echte Waffe in der Hand – ich war Biathletin. Es ist gedanklich etwas ganz anderes, eine reale schussbereite Waffe in der Hand zu haben oder online auf etwas zu ballern.“

heise news vom 11.04.2008: Kontrovers wurde während der 1. Lesung des Regierungsentwurfs für eine erste Änderung des Jugendschutzgesetzes das geplante Verbot „gewaltbeherrschter“ Computerspiele im Bundestag diskutiert. Einziger Konsens unter den Parteien scheint die Einsicht zu sein, „flächendeckend“ sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Eltern und Pädagogen die Medienkompetenz zu stärken.

Wer die Diskussion der letzten 10 Jahre zum Thema gewalthaltiger Computerspiele und ihrer Wirkung auf Kinder und Jugendliche noch einmal gesammelt nachvollziehen will, dem sei dieser Hintergrund der Computerzeitschrift c’t empfohlen.