Artikel-Schlagworte: „Medienkompetenz“

Seit heute mittag ist medienbewusst.de, ein Projekt des Mediacampus der Universität Illmenau online. Es handelt sich um ein redaktionell betriebenes Onlineportal, dass über die Chancen und Risiken moderner Medien informieren will.

Die Themenschwerpunkte sind Fernsehen, Computer- und Videospiele, Internet, Kino, Handy, Musik und Hörbücher sowie der Bereich der Forschung. Es werden kindgerechte Medienangebote vorgestellt und deren Macher interviewt. Zusätzlich sollen Praxistipps Familien befähigen, spielerisch Medienkompetenz zu vermitteln.

Im Bereich „Materialien“ sind vielfältige Links zu weiterführenden Informationsquellen zu finden.

In einem angegliederten Forumsbereich besteht die Möglichkeit, sich selbst als User aktiv in die Diskussion miteinzubringen.

„Erziehung und Medien“ heißt mein Thema und da muss ich mir doch einfach mal etwas von der Seele schreiben, was mich doch aktuell sehr betroffen gemacht hat.

Gestern wurde unter dem Titel „Vorlesen im Kinderalltag 2008″ eine Studie der Deutschen Bahn, der ZEIT und der Stiftung Lesen vorgelegt. Repräsentativ wurden 875 Kinder im Alter von 4 bis 11 Jahren, also im Vor- und Grundschulalter zu ihren Vorleseerfahrungen befragt. Die Auswertung wurde in Beziehung gesetzt zur Vorjahresbefragung zum gleichen Thema, in 2007 waren aber die Eltern zu ihrem Vorleseverhalten befragt worden.

Für mich ist das erschütternste Ergebnis, das 37% aller Kinder sagen : „Uns wird nicht vorgelesen.“ Nicht vorgelesen im Elternhaus, aber auch nicht vorgelesen in Kindergarten und Schule.

Was sind die Hintergründe, dass Eltern nicht Vorlesen? Darüber gibt die Studie keine Auskunft. Da gibt es wohl die Eltern, deren eigene Lesekompetenz nur schwach ausgebildet ist und die sich daher nicht „blamieren“ wollen, stockend sich durch Astrid Lindgren zu arbeiten. Aber das Problem der Vorleseverweigerung ist schichtübergreifend und bildungsunabhängig. Auch die Eltern mit ausreichender Lesekompetenz behaupten eher, dass sie vorlesen, als dass sie es wirklich tun.

Noch erschreckender ist die Vorleseverweigerung in Kita und Schule. Was ist in diesen pädagogischen Institutionen los, dass primäre Medienkompetenz nicht vermittelt wird? Ist es Desinteresse oder Unfähigkeit?

„Na die wollen ja auch gar nichts vorgelesen bekommen“, höre ich Eltern, Kindergarten und Schule rufen. Dies trifft aber so überhaupt nicht zu. 33% der Kinder ohne Vorleseerfahrung wünschen sich ausdrücklich Vorlese-Stunden. Die anderen 2/3 äußern tatsächlich den Wunsch nicht, wobei für mich die Frage offen bleibt, ob sie überhaupt wissen, worauf sie da verzichten.

Warum eigentliche Vorlesen? Die Autoren stellen neben die Bedeutung als fundamentalen Bildungsimpuls für ein lebenslanges Lernen so wichtige Aspekte der Vorlese-Rituale wie

  • Stärkung der Sozialkompetenz der Kinder
  • Schaffung von Geborgenheit und Nähe in der Vorlese-Situation
  • wichtige Impulse für Familien, Kita-Gruppen und Klassen

Es fällt mir schwer zu glauben, dass es Kindergärten und Grundschulklassen in Deutschland gibt, in denen nicht vorgelesen wird – aber offensichtlich scheint es sie massenhaft zu geben.

Die Studie räumt mit einigen Vorlese-Vorurteilen auf wie

  • „Die Vorleselücke ist ein Unterschichten Problem“ – Quatsch, alle Schichten sind betroffen.
  • „Eltern halten sich für Vorleser“ – 18% der Eltern geben an, nicht vorzulesen, 37% der Kinder, dass nicht vorgelesen wird.
  • Eltern glauben, dass Kinder Vorlesen gar nicht so attraktiv finden – Quatsch, Kinder finden Vorlesen toll.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Kinder erleben kaum Väter, die Vorlesen, dies bleibt immer noch Domäne der Mütter. Die Studie setzt dies in Beziehung zu der Beeinträchtigung in der Lesesozialisation insbesondere bei Jungen. Ihnen fehlt schlicht und ergreifend das beobachtete Vorbild beim Vater. Nur 8% aller Kinder haben einen vorlesenden Vater erlebt.

Lesen und Schreiben bleiben auch in Zeiten elektronischer Medien Basics, auch für die spätere Nutzung der elektronisch vermittelten Medien. Und Vorlesen ist eine wunderbare Möglichkeit der Vermittlung von Bindung, von Nähe und Geborgenheit, wohl noch ein viel wichtigeres Basic für ein gelingendes Aufwachsen.

Als Nachtrag zur gestrigen Post über den Computerspiele Campus Cologne (CCC) hier noch ein Link zum detailierten  Programm des 3. Jugendforums NRW, das Teil des Campus ist.

Die Forum Spezial des Freitags sind:

  • Computerspiele machen Jungen stark? – Wege männlicher Identitätsentwicklung in virtuellen Spielwelten
  • Spielend Lernen in virtuellen Welten

Das Spezial am Samstag ist:

  • Job und Ausbildung, Profis aus der Medienwirtschaft berichten aus dem Berufsalltag und geben Ausbildungstipps.

Am Nachmittag wird der Jugendforumspreis 2008 verliehen.

In Köln finden auf dem Messegelände von Donnerstag bis Sonntag die Endkämpfeausscheidungen der World Cyber Games (WCG) statt, die „olympischen“ Spiele der Computerspieler. Die 850 weltbesten Computerspieler aus 82 Nationen werden in 14 unterschiedlichen Kategorien gegeneinander antreten, darunter in „Klassikern“ wie Counterstrike, der Fußball-Simulation FIFA oder dem Strategiespiel Warcraft III. Wer nicht selber nach Köln fahren kann, hat über GameSports Broadcasting die Möglichkeit, Eindrücke von der Veranstaltung und den Finals per livestream zu bekommen.

Parallel zu den WCG findet in der Kölnmesse der Computerspiele Campus Cologne (CCC) statt (siehe auch Pressemitteilung der Stadt Köln).  Das Kongressprogramm richtet sich u.a. an Eltern, Jugendliche und Pädagogen und wurde in Kooperation mit der Landesanstalt für Medien und dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration NRW entwickelt. Das Gesamtprogramm ist vielfältig und lässt sich hier runterladen. Zwei highlights werden die Aufführung des Bremer Theaterprojekts „Helden im Netz“ und des prämierten Films  „Ben X“ sein.

Peinliche Panne: Wie spiegel-online berichtet, soll der „IT-fitteste Lehrer Deutschlands“ gekürt werden, nur hat sich dieser in der Zwischenzeit vom Schuldienst beurlauben lassen – weil ihm das System zu träge ist.

Als Vorzeigelehrer des Sportgymnasiums Magdeburg ist war Olaf Kleinschmidt vielbeachtet, aber offensichtlich auch innerhalb  seines eigenen Kollegiums ein Einzelkämpfer. Die „digitale Spaltung“, wie im vorletzten Post beschrieben, spaltet also auch die Schule in natives (Schüler) und im besten Fall immigrants (Lehrer); in der Mehrzahl aber eher ignorants.

Auf spiegel-online wird Kleinschmidt zitiert: „Mit moderner IT-Technik ist es nicht anders als mit dem individuellen Lernen; die Schule stellt sich nur sehr langsam darauf ein.“

Siehe hierzu auch Marc Prensky in „Backup Education“ – Too many teachers see education as preparing kids for the past.

Elke Heidenreich kommentiert wütet auf faz.net über die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, das Niveau der Veranstaltung und der deutschen Fernsehkultur im Allgemeinen und insbesondere über den Umgang mit Marcel Reich-Ranicki, der für sein Lebenswerk geehrt werden sollte, die Annahme des Preises aber ablehnte. Ihr Credo : „Man schämt sich, in so einem Sender zu arbeit.“ – Respekt !!

Medienkompetenz kämpferisch.

Siehe auch Tanja Haeusler von Spreeblick an ihrem Bügelbrett (hier).

Michael Gisiger greift in seinem Blog Wortgefecht die Spaltung der Gesellschaft in sogenannte „Digital Natives“ und „Digital Immigrants“ auf. Gemeint ist die Kluft zwischen den vor 1970 und nach 1980 Geborenen hinsichtlich ihrer IT- und Computernutzung. Nach Moshe Rappoport von IBM Research „…werden erstere Zeit ihres Lebens digitale Immigranten bleiben.“ Der Beitrag ist sehr lesenswert und ich empfehle auch die Kommentare, die substanziell sind.

Have You Seen CNN Lately?

Der CNN-Comic verdeutlicht aber einen Aspekt des Themas, den ich entsprechend meines Blogthemas nocheinmal hervorheben will: diese digitale Spaltung führt nicht nur durch Unternehmen, Konsumentengruppen oder Landschaften, sie führt in aller Regel mitten durch Familien. Da gibt es die natives, die von kleinauf mit allen digitalen Errungenschaften unserer Kultur aufwachsen und vertraut sind. Und es gibt die immigrants, denen die meisten dieser Dinge immer ein wenig fremd und damit auch bedrohlich bleiben. So wie den einen der Umgang mit den heutigen Medien wie eine zweite Haut vertraut ist, so wird den anderen der Umgang immer auch eine Anstrengung sein. Wichtig scheint es, dass die immigrants, sprich die Eltern bereit bleiben oder werden, sich dieser Anstrengung zu stellen, um ihre Erziehungsaufgabe angemessen ausfüllen zu können.

handysektor.de weist noch einmal auf eine Broschüre des Verbraucherministeriums Rheinland-Pfalz hin, an dem auch handysektor mitgearbeitet hat (download hier).

Dialer, Pishing, Lockanrufe oder ungewollte Abos – dies ist nur eine kleine Auswahl möglicher Kostenfallen bei Internet und Handy. Die Broschüre geht alle Bereiche durch, beschreibt die Gefahren und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Im Kapitel „Beratungsangebote“ gibt es Adressen für Verbraucherschutz, Schuldnerberatung, Beratung von Eltern, Jugendschutz, Medienkompetenz bis hin zur Kriminalprävention der Polizei.

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet in  Zusammenarbeit mit Turtle Entertainment, spielbar.de und Spielraum am 10.10.08 im Tanzbrunnen Köln ein Eltern-LAN an.

Ziel der Initiative ist es, Eltern und pädagogisch Tätigen einen Einblick in das Computerspielen zu geben, dem bevorzugten Hobby ihrer Kinder und Schüler.

Es gibt eine medienpädagogische Einführung, danach wird gezockt: Neben Tetrinet steht Warcraft3 und auch Counterstrike 1.6 auf dem Programm.

Infos unter bpb und auch auf gamepro.de.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, reagiert auf die Forderung des Bayerischen Innenministers Joachim Hermann nach einem Verbot von gewalthaltigen Computerspielen. Dieser hatte anlässlich des bayrischen Wahlkampfs eines „Expertengesprächs“ am letzten Montag zusammen mit Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Fortschungsinstituts Niedersachsen, die Diskussion um ein Verbot wieder eröffnet.

Mittlerweile ist innerhalb der Union ein Konflikt um ein Verbot von „Killerspielen“ entstanden (siehe hier).

Zu recht fordert Olaf Zimmermann vom Kulturrat auf, die Energie besser in die Ausbildung von Medienkompetenz bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu stecken, sowie in die Auszeichnung guter Computerspiele.

Mit dem geplanten Deutschen Computerspielpreis will die Bundesregierung stärker auf gewaltfreie, anspruchsvolle Computerspiele aufmerksam machen.

Pikanter Weise bemüht sich dem Vernehmen nach die Bayerische Staatsregierung darum, dass der Preis in München verliehen wird.