Artikel-Schlagworte: „Nationale Initiative Printmedien“

Spiegel-Online Artikel vom 22.04.08 zum Thema Lesekompetenz: „Wie Deutschlands Jugend dumm geredet wird“.

In einem herrlich erfrischenden Artikel setzen sich die Autoren Konrad Lischka und Christian Stöcker mit der „Nationalen Initiative Printmedien – Zeitungen und Zeitschriften in der Demokratie“ auseinander, die mit Unterstützung der Bundesregierung in der letzten Woche ihren Startschuss hatte.

In der Tat hinterlässt das Konzeptpapier der Initiative einen sehr zwiespältigen Eindruck. Mit Sicherheit ist „Medienkompetenz“ zu einer der Schlüsselqualifikationen in unserer Informationsgesellschaft geworden. Zur Teilhabe an unseren demokratischen Meinungs- und Willensbildungsprozessen bedarf es der Kompetenz, sich Informationen zu erschließen, sie zu sichten und auch in ihrer Bedeutung bewerten zu können.

Natürlich geht die „digitale Spaltung“ unserer Gesellschaft entlang alter Trennungslinien von Viellesern zu Nichtlesern und es ignoriert der Nichtleser nicht nur die gedruckten, sondern auch die elektronischen Informationsangebote.

Bei der Ursachenforschung aber wird deutlich, dass hier die heutige Medienlandschaft durch die Brille einer vordigitalen Zeit bewertet wird und zum Teil völlig unberechtigte Anwürfe Richtung Jugendlicher und ihrer Familien formuliert werden.

So ist es mit Sicherheit falsch, von einer sinkenden Lesefähigkeit bei Jugendlichen zu sprechen (siehe Pisa-Ergebnisse). Auch ist die tägliche Lesemenge nicht zurückgegangen, sondern hat im Gegenteil durch den Konsum von Online-Medien deutlich zugenommen (zugegebener Maßen um den Preis eines fragmentarischen Lesens kurzer Artikel).

Sehr zu recht stellen Lischka und Stöcker in ihrem Spiegel-Artikel fest, dass die Jugendlichen von heute nicht nur online ihre Lesekompetenz trainieren, sondern ebenso durch die intensive Nutzung von Email-Kommunikation auch ihre Schreibkompetenz fördern.

Es ist in der Tat die Frage, wie eine Initiative Familien und Jugendliche abholen will, indem sie deren Politik- und Printmedienverdrossenheit nicht zum eigenen Problem erklärt, sondern im Gegenteil noch der Zielgruppe selber zum Vorwurf macht.

Jugendliche sind abholbar, wenn es der Erwachsenenwelt gelingt, sie auf den Kommunikationskanälen zu erreichen, die ja, nebenbei festgestellt, von genau der gleichen Erwachsenenwelt erst geschaffen wurden.