Artikel-Schlagworte: „Spielsucht“

Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) hat mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse (TK) das Projekt „Netz mit Web-Fehlern?“ ins Leben gerufen (weitere Infos auf Mediaculture-online hier).

Ziel des Projektes ist es, Betroffene und Angehörige für das Thema „Computerspielsucht“ zu sensibilisieren und Hilfen bei exzessivier Computernutzung zu bieten. Auftakt ist eine Fachtagung in Frankfurt am 02.10.08 zum Thema „Exzessive Computer- und Internetnutzung: neues Aufgabenfeld der Suchthilfe?“ (Programm hier). Unter anderen berichtet Klaus Wölfling von der Arbeit der Computerspielsuchtambulanz der Uni Mainz.

Später sollen Seminare für Suchtberater zum Thema „Medienkompetenz“ folgen, sowie ein Selbsthilfenetzwerk für Betroffene und ihre Angehörigen analog der Netzwerke z.B. im Bereich der Alkoholabhängigkeit aufgebaut werden.

Bisher führt der Link zum Thema Onlinesucht aber lediglich auf eine unattraktive Suchmaske ohne Inhalt.

Am Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau wurden im Rahmen eines Forschungsprojekts 784 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren zu ihrem Computerspielverhalten und verschiedener persönlicher Merkmale befragt, die im Zusammenhang mit krankhafter Spielnutzung vermutet werden.

Diese Merkmale sind: Selbstwirksamkeitserwartung, Copingstrategien (wie mit Stress und Belastung umgegangen wird) und Qualität der Bindung zu den Eltern.

Die Befragung fand Online statt, beworben wurde sie in einschlägigen Foren im Internet. Daher stellen die Autoren auch zu recht fest, dass ihre Daten keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben können. Trotzdem geben die Ergebnisse nachvollziehbare Anhalte für die Frage pathologischer Computerspielnutzung.

Einige Ergebnisse der Befragung sind:

  • Häufiges und langes Computerspielen allein ist nicht als pathologisch aufzufassen.
  • Pathologisch wird es u.a. dann, wenn es zur Stimmungsregulation eingesetzt wird.
  • Pathologische Spieler erleben in ihrer gegenwärtigen Lebenssituation ein höheres Maß an Überforderung und verfügen über schlechtere Strategien mit Stress umzugehen.
  • Unter den Intensivspielern gibt es weniger Personen, die einen sicheren Bindungsstil erlebt haben.

Für den pädagogischen Alltag geben die Autoren u.a. als Empfehlung:

  • Bei pathologischem Spielverhalten nicht sofort ein absolutes Spielverbot aussprechen, sondern behilflich sein, neue und bessere Copingstrategien aufzubauen. Die Frage angehen, wofür das Spielverhalten Ersatz ist.
  • Eltern sollten sich mehr für das Spielverhalten und die Spiele ihrer Kinder und Jugendlichen interessieren. Vom Kind „anlernen“ lassen, um mitreden zu können, dadurch Kinder wertschätzen und auf dieser Grundlage die Beziehung und Bindung zum Kind zu verbessern.

Unter dem Titel „Verspielte Kindheit – Im Sog virtueller Welten“ widmete der Fernsehsender Arte am 03.06.08 einen Abend dem Thema „Computerspiele“. Nähere Infos hier.

Gezeigt wurden der Dokumentarfilm „Spielzone“ von Heide Breitfeld, der sich mit dem Thema Computerspielsucht befasst, sowie die Dokumentation „Stark fürs Leben“ von Lilly Grote, die sich mit den medialen Verlockungen beschäftigt, denen Kindern fortwährend ausgesetzt sind. In dem Film kommen hauptsächlich Kinder und Jugendliche selbst zu Wort.

Wer, wie ich selber, den Themenabend verpasst hat, kann dies nun nachholen: Am 20.06.08 wiederholt Arte beide Beiträge ab 9.55 Uhr.